Ayisha Tutone

Body Coverings | 2014 | Bachelorarbeit

Wenn Mode die Identität einer Person bestimmt, resultiert Anonymität dann durch ihre Nacktheit? Der nackte Körper besitzt Identität durch Haare, Augen- und Hautfarbe, Sommersprossen und Hautfalten, die Einzigartigkeit der Stimme oder den Geruch einer Person. Woher kommt es dann, dass der bekleidete Körper, als erotisches, und gleichwohl sittsames Gegenstück wahrgenommen wird? Hollander (1973, S. 85) stellt fest: »Obwohl Nacktheit eine eigene, leidenschaftliche Wirkung hat, ist Bekleidung, mit der darunter liegenden Nacktheit, weit potenter.«1 Sie behauptet weiter: »Kleidung umhüllt, verschluckt und scheint den Körper zu ersetzen, was seine Wichtigkeit verstärkt, und den vermuteten Körper begehrlicher erscheinen lässt«. Kurz: ob Mode Sex betont oder nicht, sie ist erotischer Ausdruck. Auf der Suche nach der archetypischen Frau kam die Inspiration von den idealen Frauenbildern aus den 50er und 80er Jahren sowie der progressiven Kunst und dem Design des frühen 20sten Jahrhunderts, in der die traditionelle, weibliche Form in vielschichtigen Stilisierungen abstrahiert und zu zeitlosen, sinnlichen Objekten transformiert wurde: zerbrechlich, jedoch stark, weich und dennoch hart…

Die Phasen, durch die ein Mädchen bei der Frauwerdung geht, ihre Abneigung als »Dame« bezeichnet zu werden, und ihre Selbstwahrnehmung – all dies wurde zum Nebenschauplatz. Die Kollektion ist eine Studie über Weiblichkeit, entwickelt durch »Covering Types«: der erotische, der sittliche, der super, der groteske oder der moderne Typus von Weiblichkeit. Die Typen sind übersetzt in Designmethoden wie »aufgebaut auf«, »strukturiert und unstrukturiert«, »bedeckt und offengelegt» und wurden zur Grundlage der fünf weiblichen Silhouetten mit Betonung der Schulterlinien, knöchellangen Säumen und einer zweifarbigen Palette, die sich durch die Kollektion zieht. Die historische Unterbekleidung, der Smok, prägt eine Reihe von Tunika ähnlichen Kleidern mit Kimono- Ärmeln.

Kombinationstücke wie der Hosenrock und der Bolero mit Ärmelhandschuhen verbinden kindliches Dressup mit damenhaften Elementen. Die geschneiderten Teile sind übergross und horizontale Panels teilen den Ober- und Unterkörper und definieren so die Hüftlinie. Das Feigenblatt ist das Schlüsselmotiv der Kollektion. Traditioneller Siebdruck und handgefertigte Applikationen bedecken das Futter in grossflächigen Mustern, Rock und Bolero-Top mit Laser geschnittenem Silikon und samtenem Schmuck. Die Schulterlinie, die durch weiche passeförmige innere Strukturen konstruiert ist, und Back-to-Front-Verschlüsse sind zusätzliche Details.

 

BETREUER
PROF Valeska Schmidt-Thomson | PROF DR Ingeborg Harms | Silvia Schüller