Neobionten | Design Lab # 8

 

Kooperatives Entwurfsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Kunstgewerbemuseum Berlin

Für Studierende ab dem 3. Semester und Anpassungsstudierende aus dem Master

Projekttage:
• Mo. – Di.
• Start: am 03.11.20
13:00 – online meeting mit IDK Team
15:00 Besuch im Kunstgewerbemuseum

Projektbetreuung:
Prof. Axel Kufus
M.A. Annika Unger
M.A. Anja Lapatsch
Prof. Dr. Sophia Prinz
Dipl. Des. Sarah Illenberger
Dipl. Des. Martha Schwindling

Kooperationspartner:
Dr. Claudia Banz (Kunstgewerbemuseum Berlin), Restauratoren des Kunstgewerbemuseums

Bild: „Le déjeuner en fourrure“ Meret Oppenheim, 1936

Als “Neobionten” werden Arten bezeichnet (Pflanzen, Pilze oder Tiere – bei uns Artefakte), die sich mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren.
Neobiota zeichnen sich meist durch typische Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit,
hohe Multiplikationsrate und oft auch durch eine Assoziation mit dem Menschen aus.
Von einigen etablierten Neobiota geht ein starker Einfluss auf die Diversität ihres neuen Wirkungsraums aus.

Zu diesem Thema veranstalten wir mit dem Kunstgewerbemuseum Berlin das Design Lab # 8.
Eine Auswahl von kultischen Artefakten der Sammlung – die in den gläsernen Särgen des Kunstgewerbemuseums ihr stillgelegtes Dasein fristen, werden entführt und ins Hiersein versetzt.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die gezielte Neuinterpretation und Transformation der Sammlungsobjekte, die wir durch gezielte Eingriffe transformieren, damit sie sich in neuer Gestalt in heutigen und künftigen Lebensräumen einfinden und etablieren können.

Dazu wollen wir sie den derzeitigen sozialen, kulturellen und/oder ökologischen Umgebungen aussetzen, um die dadurch provozierten Wechselwirkungen wahrzunehmen und die möglichen Transformationen, seien es Anpassungen oder Absonderungen, Beeinflussungen oder Hybridisierungen, Ritualisierungen oder Neuformatierungen gestalterisch zu unterstützen und zu verantworten.

Gemeinsam mit Dr. Sophia Prinz (Designtheorie) werden wir die sozialen Formen/Praktiken und Materialien, die Global- und Kolonialgeschichte, Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden, Gestus und Ritus, Semiotik und Semantik der Artefakte und deren Transformationen vertiefend betrachten und diskutieren.

Schließlich wollen wir die Transformierten zurück zu den Dortgebliebenen in die Vitrinen bringen, um mit ihren Geschichten vom Heute und Morgen für einen vitalen Durchzug zu sorgen. Das Design Lab # 8 öffnet seine Türen im Mai und wird bis zum Rundgang 2021 im Kunstgewerbemuseum zu sehen sein.


Input:

– Begehung der Ausstellungsräume und Werkstätten des KGM durch Dr. Claudia Banz mit weiteren Kustoden und Restauratoren
– 3D Scan-Session mit dem EVA 3D Scanner
– Theoretischen Input durch Dr. Sophia Prinz
– Hands-on-Workshop mit Sarah Illenberger
– Soft-Input in Rhino/Blender/Creative Suite durch Martha Schwindling
– Methodenworkshop zu Entwurfsstrategien

Output:

– Research zur Auswahl der Sammlungsobjekte
– “Objekt Interviews” – filmische Beiträge zu den 3D gescannten Sammlungsobjekten
– Modellreihen / Prototypen
– Projektdokumentation
– Präsentation und  Ausstellung der Entwürfe im Kunstgewerbemuseum Berlin


 

Im Fokus des Workshops „Replica“ mit Sarah Illenberger steht das Charakterisieren der wesentlichen Merkmale ausgewählter Objekte durch super-analoge Modellexperimente.

Sarah Illenberger ist eine in Berlin lebende Künstlerin, Illustratorin und Designerin. Ihre Bildsprache definiert sich dadurch, dass sie gewöhnlichen Dingen eine neue Bedeutung gibt. Sie schafft Installationen mit verschiedenen Materialien und Techniken, die dann fotografiert oder an öffentlichen Orten präsentiert werden. Ihre Arbeiten erscheinen in Büchern, Zeitschriften, digitalen Medien und Schaufensterauslagen. Sie produziert auch limitierte Auflagen und Designobjekte.

 

Gemeinsam mit Martha Schwindling werden die 3D Scans der Sammlungsobjekte in jeweils geigneten Auflösungen für weitere software-gestütze (Rhino, Blender, Adobe Creative Suite) Manipulationen und Transformationen bearbeitet.

Martha Schwindling ist Designerin und betreibt seit 2014 ihr Studio in Berlin. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung von Objekten, Systemen und Räumen. Sie kooperiert außerdem mit anderen Designer*innen, Künstler*innen, Architekt*innen, Forscher*innen und Institutionen an Ausstellungs- und Publikationsprojekten. Vor ihrem Abschluss 2014 an der HfG Karlsruhe arbeitete sie in den Designbüros von Stefan Diez und Kilian Schindler und verbrachte ein Semester im Fachbereich Visual and Critical Studies der School of Visual Arts in New York. Seit 2011 arbeitet sie selbstständig für internationale Kunden in der Design- und Kulturbranche sowie an selbstinitiierten Projekten.

 

Gemeinsam mit Dr. Sophia Prinz (Designtheorie) werden wir die sozialen Formen/Praktiken und Materialien, die Global- und Kolonialgeschichte, Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden, Gestus und Ritus, Semiotik und Semantik der Artefakte und deren Transformationen vertiefend betrachten und diskutieren.

Dr. Sophia Prinz ist seit 2018 Gastprofessorin für Theorie der Gestaltung an der UdK. Sie forscht u.a. zu Praktiken der Wahrnehmung, zur Ausstellung als ästhetisch-epistemologischem Medium sowie zur transkulturellen »Migration der Form« in der Globalen Moderne. Zu ihren Veröffentlichungen zählen »Die Praxis des Sehens: Über das Zusammenspiel von Körpern, Artefakten und visueller Ordnung« (2014), mit Roger M. Buergel »Die Migration der Form« (Arbeitstitel, in Vorbereitung).

Foto: (c) Michael Wittig, Berlin 2018

Dr. Claudia Banz ist Kunst- und Designwissenschaftlerin und seit 2017 Kuratorin für Design am Kunstgewerbemuseum Berlin. Zuvor leitete sie die Abteilung Kunst und Design am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Als Kuratorin realisierte sie zahlreiche Ausstellungen, Vermittlungsformate und Messen an der Schnittstelle von Design, Mode, Handwerk und Kunst, zuletzt Fast Fashion. Die Schattenseite der ModeFood Revolution 5.0. Gestaltung für die Gesellschaft von morgen und Connecting Afro Futures. Fashion x Hair x Design. Im MKG Hamburg war sie außerdem für die Neupräsentation der Designsammlung verantwortlich. Als leitende Kuratorin der Jahresmesse für Kunst und Handwerk hat sie eine internationale Ausstellungplattform für Hochschulen und einen Nachwuchspreis für junge Gestalter initiiert.

Für das Kunstgewerbemuseum Berlin etablierte sie die Reihe Design Lab sowie Design Talks, um das Haus als Plattform und Experimentalraum für multidispziplinäre Designansätze und einen kritischen Diskurs über gesellschaftlich relevante Gestaltungsfragen zu öffnen. Außerdem forscht und publiziert sie zu Fragen des Social Design (Social Design. Gestalten für die Transformation der Gesellschaft, transcript 2016) und dekolonialen Sammlungen.