Suicidal Instruments | Julius Führer

 

Gibt es das Recht auf Suizid?

Für Albert Camus gab es nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. In Der Mythos des Sisyphos beschreibt er die Absurdität des Lebens und beschäftigt sich mit der Frage inwiefern das Leben dennoch lebenswert ist. Der Suizid bietet die Möglichkeit dieser Absurdität zu entgehen. Walter Benjamin bezeichnete den Selbstmord als die Quintessenz der Moderne und laut Statistiken der WHO nimmt sich alle 40 Sekunden jemand auf der Welt das Leben während die Anzahl der Versuche auf das Zwanzigfache geschätzt werden. Thomas Macho beschreibt den Suizid in Das Leben Nehmen – Suizid in der Moderne vor allem als Selbsttechnik und die Möglichkeit des Suizids als Macht über das eigene Leben und Sterben: “Sich das Leben nehmen […] Ich mache das Leben zu meinem Leben, selbst indem ich es auslösche.”

Aber wenn der Suizid ein so verbreitetes Phänomen ist, warum gibt es keine gestalteten Werkzeuge, um das eigene Leben zu beenden? Meist wird Suizid mit Objekten begangen, die eigentlich eine andere Funktion haben. Heroin zum Beispiel wird als Droge genutzt, aber eine zu hohe Dosis ist tödlich, die Funktion eines Seils ist es, etwas festzubinden, zu fangen, oder ähnliches, aber nicht um sich zu erhängen und eine Pistole ist gestaltet, um andere zu erschießen und nicht sich selbst. Ist Suizid auch wenn es allgegenwärtig ist immer noch nicht geselschaftlich akzeptiert? Wieso ist es immer noch tabuisiert, auch wenn eine offene Diskussion mit Irrglauben und Stigmen aufräumen könnte?

Die Instrumente right amount syringe, right height rope und right angle gun bieten die Möglichkeit des Suizids.

RIGHT AMOUNT SYRINGE

Basierend auf dem Tod durch eine Heroinüberdosis bietet Right Amount Syringe die Möglichkeit tatsächlich die erforderliche Dosis zu nehmen. Nach unterschiedlichen Quellen liegt die letale Dosis bei Heroin zwischen 60mg insgesamt und 25mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die Skala auf der Spritze zeigt an bei welchem Körpergewicht wieviel Heroin benötigt wird.

RIGHT HEIGHT ROPE

Erhängen ist eine immer noch verbreitete Methode der Todesstrafe. Dabei ist der Genickbruch meist das Ziel, damit der Erhängte das Bewusstsein verliert und das spätere Ersticken oder die gestoppte Blutzufuhr zum Gehirn nicht wahrnimmt. Durch eine Formel wird die richtige Fallhöhe für ein bestimmtes Körpergewicht errechnet. Ist der Fall zu niedrig besteht die Gefahr, dass das Genick nicht bricht und man bei vollem Bewusstsein Zeit stirbt. Ist der Fall zu hoch besteht die Gefahr, dass der Kopf abreißt. Das Seil hat mehrere Aufhängepunkte in geeigneten Höhen.

RIGHT ANGLE GUN

Right Angle Gun ist auf die Konfrontation mit dem Willen zu leben oder sterben fokussiert. Bei einem Schuss in den Kopf ist das Stammhirn das Ziel, da so ein eventuelles Überleben mit schweren Hirnschäden verhindert wird. Die rückwärtsgerichtete Pistole besitzt am Ende des Laufs einen Spiegel. Nur wenn man in der Lage ist sich selbst in die Augen zu schauen, hat man den passenden Einschusswinkel gefunden.