Die Wahrnehmungsstörung der Mode: Mode vom Produkt zum Prozess

SOMMERSEMESTER 2018

Theorie 4. Semester

Strasse der 17. Juni 118
Raum 208

Mi. 14:00 Uhr

Lehrende:

Dr. Renate Stauss

 

 

PROJEKT:

Mode wird uns vermittelt als sich ständig verändernde Serie von modischen, Lebensstil- formenden Produkten. Die vielen Prozesse, die ein Kleidungsstück materialisierte Wirklichkeit werden lassen, bleiben jedoch zum größten Teil undokumentiert und damit oft unerkannt: Die Vielzahl von Händen, die es geformt haben, seine gesamte Reise, die unzähligen Inhaltsstoffe der Textilveredlung, seine volle Auswirkung und wahren Kosten. Die heutige Modeindustrie ist ein globales Geschäft, weit entfernt von der einstigen, größtenteils lokalen handwerklichen Praxis der Fertigung von Kleidung. Die heutige Modeindustrie stellt ein weltweit vernetztes System dar, dessen geographische und wirtschaftliche Dimensionen, kulturelle und ästhetische Praktiken sowie menschliche und ökologische Auswirkungen sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert haben.

Dieses Modul analysiert Mode nicht nur als Produkt sondern vornehmlich als Prozess. Es untersucht diese Industrie vom Feld bis zum fertigen Kleidungsstück. Das komplexe globale Modesystem wird durch sieben Grundsäulen erkundet: Kulturen des Rohstoffabbaus und der Textilherstellung, des Designs, der Bekleidungsherstellung, des Marketings, Konsums, des Tragens und der Entsorgung – die vergessene Säule. Wesentlich für das Verständnis dieses Systems ist auch eine Betrachtung der Zusammenhänge einzelner Elemente.

Die Zuliefer- und Nutzerkette der Mode wird durch reichhaltige Text- und Bildquellen, insbesondere verschiedene Dokumentarfilme beleuchtet und in Vorlesungen, Seminaren, Referaten, Debatten und einem kurzen qualitativen Forschungsprojekt analysiert. Des weiteren beschäftigen wir uns mit dem Diskurs der Nachhaltigkeit, der in den letzten Jahren auch im Bezug auf Mode immer stärker mobilisiert wurde, sowohl als Infragestellung und Kritik an konventionellen Modepraktiken als auch zur Vermarktung sogenannter „nachhaltiger Mode“. Diesen widersprüchlichen Begriff betrachten wir genauso wie die folgenden Fragen: Wie wird Mode produziert, vermittelt, konsumiert und was passiert mit ihr wenn sie alt-modisch geworden ist? Wie hat sich das Modesystem in den letzten Jahren verändert? Welchen Einfluss haben seine veränderten Dimensionen auf die Körper, die in der Mode- und Textilindustrie arbeiten und diejenigen, die ihre Produkte tragen und mit ihnen leben? Wie gestalten sich unsere Rollen in diesem System? Inwiefern kann das endliche Modesystem verlernt und verändert werden?